Die Lösung

Der Verfasser hat ca. 12 Jahre lang mehr oder minder regelmäßig an an seiner Werkbank experiment, um dem Bessler-Geheimnis auf die Spur zu kommen. Dazu diente mit 70 cm Durchmesser die Platte eines runden Tischbausatzes aus dem Baumarkt. Es handelte sich um unbehandeltes Fichtenholz mit einer Stärke von 3 cm. Daran ließen sich beliebig immer wieder neue Bohrungen vornehmen, Elemente anschrauben usw. Die Platte war an ihrer Rückseite mittig mit einer kugelgelagerten Aufhängung verbunden, sodass die Vorderseite zur Bearbeitung völlig frei zugänglich war. Eine vorhandene leichte Unwucht wurde durch kleine Gewichte an der Rückseite beseitigt. Das Rad ließ sich auf diese Weise ohne Reibungsverluste leicht drehen und blieb nach dem Anhalten in jeder Position stabil stehen.

Die Experimente wurden 2014 abgebrochen, weil sich beim besten Willen keine Lösung abzeichnete. Alle Materialien wurden entsorgt. Erst im Jahr 2022 beschäftigte sich der Verfasser in einer neuen Zeiteinheit wieder mit Bessler. Im Vordergrund standen Überlegungen zu einem Antrieb, bei dem unter Beachtung der nachfolgenden physikalischen Gesetzmäßigkeit die Nutzung potentieller Energie von vorn herein ausgeklammert wurde.

Jede Masse, die sich abwärts bewegt, verliert potentielle Energie, die auch als Höhen- oder Lageenergie bezeichnet wird. Wenn man diese Masse zu ihrer Ausgangsposition zurückbringen will, damit sie dort erneut ihre Wirkung entfalten kann, muss ihr zwangsläufig die verlorene Energie vollständig wieder zugeführt werden. Soll Letztere durch die Abwärtsbewegung einer anderen (gleich großen) Masse gewonnen werden, müssen auch die Höhenunterschiede beider Massen (vorher/nachher) gleich groß sein.Und zwar unabhängig davon, wo sie sich gerade befinden. 

Wegen der von Bessler in seiner Apologie überlieferten Aussage 

Von vielen sondern Stücken Blei,
Der sind nun immer zwei und zwei.
Nimmt ein Ding äußerlich die Stelle,
So fährt das andre an die Welle.
Dies ist bald hier und jenes dort,
Und also wechselt's fort und fort.


beschäftigte sich der Verfasser nun nur noch mit paarweise wirksamen Massen, bei denen die Bilanzen der potentiellen Energie unangetastet blieben. Es entstanden die nachfolgenden Konzepte: 

Bessler's wheel with weights G1 and G2

G1 und G2 wirken paarweise. Zur Überwindung der Reibung und zum Ingangsetzen der Bewegung muss G1 etwas schwerer als G2 sein. Die Skizze veranschaulicht das grundlegende Konzept. Dass jeweils zwei Gewichte näher und die beiden anderen weiter voneinander entfernt sind, hat hier nur den Zweck, dass sie in der Mitte nicht miteinander kollidieren. Ordnet man sie in zwei Ebenen übereinander an, können die Abstände auch gleich sein.

Eine Weiterentwicklung des Zusammenwirkens zweier Körper stellt das nachfolgende Konzept unter Einbeziehung zweier Zugfedern dar.

Federmechanismus

Nähert sich G1 der 90°-Position, drückt es die Feder auseinander. Dabei wird G1 zunächst durch G2 unterstützt, denn Letzteres würde ohne die vorhandene Feder eine Position einnehmen, die sich exakt unter dem Aufhägepunkt befindet. Indem G1 sich weiter nach unten bewegt, drückt es G2 zum Rand und spannt dabei die Feder weiter. Dabei nutzt es die Eigenschaften des Kniehebels, bei nur geringer Abwärtsbewegung einen hohen Druck nach außen zu erzeugen.

Mit fortschreitender Drehung des Rades (>90°) wird der Druck von G1 auf die Feder geringer. Bei 180° ist er Null. Die Feder wird nun nur noch durch G2 unter Spannung gehalten. Dreht sich das Rad weiter, bewegt sich G1 nach rechts und leitet eine Entspannung der Feder ein. Spätestens bei 225° zieht diese sich zusammen und befördert G2 bis zur Achse und G1 zu seinem ursprünglichen Ausgangspunkt zurück. Das erzeugt das erwünschte Ungleichgewicht im Rad. 


Man kann leicht nachvollziehen, dass die rechts an den Rand anschlagende Masse G2 das Geräusch erzeugte, das  die Zeugen für ein herabfallendes Gewicht hielten. Sie berichteten immer wieder, dass es während einer Umdrehung acht Mal auf der Seite zu hören war, nach der sich das Rad aktuell drehte. Das spricht für 8 Paare. Auf der gegenüber liegenden Seite erzeugte das jeweils zurückweichende Gewicht G2 kein Geräusch.

Das Prinzip der asymmetrisch einwirkenden Gravitation, allerdings mit geringerem Output, ist für den Betrachter noch einleuchtender, wenn man auf die Körper G2 ganz verzichtet. Bei 90° übt G1 mit dem längsten möglichen Hebel auf das Rad ein. Beim Durchschreiten der 180°-Position ist sein Druck Null. Er kehrt  zu seiner Ausgangsposition zurück und verkürzt seinen Hebel so auf ein Minimum. Einfacher geht es nicht.

Federmechanismus

Federn waren Bestandteil der Wahrnehmung des Zeitzeugen Prof. Christian Wolff in Merseburg. Er befand sich in der Nähe des Rades, als Bessler verdeckt daran hantierte, und hörte das charakteristische Geräusch einer kurzzeitig schwingenden Metallfeder. Er schloss daraus, dass Bessler beim Montieren eines der Gewichte auf diese Feder einwirkte. Da es Zugfedern gewesen sein müssen, wird Bessler sie eingehängt und dann losgelassen haben. Es ist naheliegend, dass dies bei jedem der Gewichte so gewesen sein dürfte und dass sich im Rad daher mehrere Federn befunden haben müssen. Dieser Sachverhalt ist bedeutsam, denn er vermittelt, dass das Rad ohne Federn nicht lauffähig gewesen wäre. Auch wenn Wolff nur das bidirektionale Rad in Aktion erlebte, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch das unidirektionale Rad mit Federn ausgestattet war. Das ergibt sich aus der Aussage Besslers, wonach der Gravitationsantrieb eines Rades nur mit einem einzigen Wirkprinzip möglich ist. Im Beitrag Spekulationen führt der Verfasser aus, dass das bidirektionale Rad vermutlich aus zwei übereinander angeordneten unidirektionalen Antrieben bestand, die wahlweise (gegenläufig) in Gang gesetzt werden konnten. Dafür sprechen die doppelte Dicke des Rades und seine vergleichsweise nur kurze Entwicklungszeit in Obergreißlau bei Weißenfels.

Es ist überliefert, dass Bessler sich in Gera gegenüber anwesenden Personen zum Thema Federn geäußert haben soll. Er soll gesagt haben, dass der Antrieb seines Rades tatsächlich Federn enthielt, jedoch nicht so, “wie die Leute sich das denken”. Damit meinte er die laut vorgetragenen Vermutungen, das Rad könnte durch eine aufgezogene Feder angetrieben werden.

Der Verfasser hat das Experimentieren aus Altersgründen aufgegeben. Personen, die sich aktuell mit Bessler beschäftigen, werden von ihm ermuntert, die Funktionsfähigkeit der obigen Konzepte zu untersuchen und ihm von ihren Erfahrungen an die E-Mail-Adresse [email protected] zu berichten. (Ersetzen Sie bitte das dem Spamschutz dienende Ausrufezeichen durch die Ziffer Vier.)