Lehmanns Ideen

Haftungsausschluss und Copyright-Anspruch 2026

An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich festhalten, dass ich nicht weiss, ob Besslers Rad wirklich so funktioniert hat, wie ich es mir vorstelle. Auch glaube ich nicht, dass irgendjemand schlüssig in Erfahrung bringen kann, wie es denn wirklich war. 

Meine Ideen und Forschungen beruhen auf dem Diagramm in Apologia II (eigentlich "Apologische Poesie", ich verwende hier die Abkürzung "Apologia", wie von John Collins eingeführt) und den Berichten von ‘sGravesande, Wolff und Fischer von Erlach (siehe Kapitel "Zeitzeugen"), sowie auf Zitaten aus Besslers Apologia I und II.
Auch möchte ich klarstellen, dass ich keine Aussage über andere Konzepte des Antriebs mache, es ist durchaus möglich, dass andere Konzepte, wie z.B. von Volker Keller dargelegt, funktionieren.
Letzten Endes muss das Rad physisch gebaut werden und nachweislich ein Selbstläufer sein. Bis dahin ist alles lediglich Spekulation.
Meine Ideen stelle ich hier im Geiste der "Open Source" Philosophie zur Verfügung.
Für die unter "Lehmanns Ideen" auf dieser Webseite veröffentlichten Konstruktionsideen beanspruche ich das Copyright (2026). Falls jemand meine Ideen verwenden möchte, so kann er das auch ohne meine Zustimmung tun, unter der Voraussetzung, dass meine Urheberschaft ausdrücklich erwähnt wird. Ich weiss es jedoch zu schätzen, wenn man mir eine Mitteilung davon macht, im Sinne eines nützlichen Feedbacks. Ich bin erreichbar unter Kontakt.

Jedermann, der anhand meiner Ideen einen Nachbau vornimmt, tut das auf eigene Gefahr. Für das Ergebnis schliesse ich ausdrücklich jede Haftung aus. 

Erste Versuche

Zum ersten Mal bin ich ungefähr im Jahr 2005 auf Bessler und sein Rad gestossen und war sofort davon fasziniert, da so viel an Information aus der damaligen Zeit erhalten war. Im Internet, welches damals noch jung war, gab es wenig zu finden, ausser von John Collins, dessen Bücher ich dann bestellt habe (siehe "Links"). Wegen der Augenzeugenberichte über 8 Fallgeräusche pro Umdrehung, habe ich Versuche angestellt mit Rädern, die eine Achtersymmetrie hatten. Zuerst baute ich ein massives kleines Rad mit schweren Messingzylindern, was überhaupt nicht lief, sondern gleich blockierte. Danach habe ich einige leichte Räder gebaut. Das waren für mich typische Bastelarbeiten in meinen Ferien. Die Räder habe ich aus Halbkarton gefertigt, z.B. aus Verpackungen von Frühstücksflocken oder, ästhetischer, aus bunten Schulordnern. Getreu dem Augenzeugenbericht von Prof. Wolff habe ich zylindrische Gewichte benutzt – mal schmale AAA-Batterien, mal Zwanzig-Rappen-Münzen, die ich in Hantelform in Pappen hineingeklebt habe. Eigentlich war mir klar, dass das nicht funktionieren würde, ich wollte aber ein Gefühl für die Kräfte im Rad bekommen, und damit einen Hinweis darauf, wo man optimieren müsste. 

Nicht-Läufer. Kleines, massives 8er Rad.

Nichtläufer. Massives, kleines 8er Rad mit Stator.

Nichtläufer. Kleines, leichtes 8er Rad.

Nichtläufer. Leichtes, kleines 8er Rad ohne Stator.

Nichtläufer. Varianten leichtes 8er Rad.

Nichtläufer. 2 Varianten zum leichten, kleinen 8er Rad ohne Stator.

Rotor mit und ohne Stator, 8er Symmetrie 

Es zeigte sich, dass man einen Zylinder im untersten Punkt nur ganz leicht anheben musste, damit das Rad sich gedreht hat, und daher habe ich lange mit Rampen experimentiert, die feststehend aussen angebracht waren, also sozusagen «ein Rotor mit Stator». Das war ernüchternd, denn so eine Rampe raubt dem Rotor alle Kraft, erzeugt eine viel zu hohe Reibung. Dann habe ich mit Hebeln experimentiert, die von fallenden Zylindern bewegt wurden und in manchen Versuchen aussen am Stator waren, aber in anderen Versuchen im Rad mitgeführt wurden, also ohne Stator. Die Hebel haben schon sehr viel besser funktioniert, waren aber schwer zu kontrollieren, und damit habe ich keine Kreisläufe hinbekommen. Es hat mich fasziniert, dass Besslers Räder offenbar keinen Stator hatten - generell fand ich einen mitgeführten Mechanismus schwierig zu konzipieren und habe mir den Kopf darüber zerbrochen, ob man den Stator unsichtbar innerhalb des Rades an der Achse aufhängen könnte – offenbar eine Frage, die damals schon an Bessler gestellt wurde, und von ihm verneint wurde. (In der Antwort an Wagner, der behauptete, dass ein Bratenwender an der Achse hinge, siehe Apologia II, Anhang.  Die damals käuflichen Bratenwender hatten einen aufziehbaren Federmechanismus.)

Während ich so vor mich hin gebastelt habe, bin ich auch irgendwann auf die Webseite besslerrad.de von Volker Keller gestossen. Kellers historische Berichte und seine scharfsinnigen Analysen fand ich erfrischend und sympathisch – andere Webseiten, Blogs und Foren, die unterdessen aufgetaucht waren, waren mir zu abgehoben spekulativ oder zu sehr auf das Knacken eines Geheimcodes bedacht (wobei ich Bessler so einen Geheimcode, verborgen in den Texten, durchaus zutraue, aber selbst nicht die Hingabe habe, so etwas zu entschlüsseln). 
Nein, ich wollte mich gern als erstes von Besslers Ernsthaftigkeit überzeugen, und dann physikalisch an das Problem herangehen. Die Augenzeugenberichte sind verwendbar, aber mit Vorsicht zu geniessen, man muss die Fakten von den Spekulationen trennen können. Ebenso verhält es sich mit Besslers eigenen Angaben: er wollte ja eigentlich nichts verraten, und dennoch mit seinen Erkenntnissen prahlen – er hat also oft Andeutungen gemacht, die man sehr unterschiedlich auslegen kann.

Rad mit 3er Symmetrie 

Unterdessen hatte ich nach und nach alle Bücher von John Collins gelesen und vor allem die Apologia mit Staunen gelesen: in Band 1 erzählt Bessler von seinem enormen Wissensdurst, und beschreibt, was er alles gelernt und erforscht hat, um seine Vision des selbstlaufenden Rads zu erfüllen – wirklich eine beeindruckende Biographie. Durch Band 2 habe ich mich hindurchgequält, denn dieser enthält ausschliesslich Entgegnungen an die Kritik seines Widersachers Christian Wagner, und ist voller negativer Emotionen und Ansagen, dass er niemanden in sein Geheimnis einweisen wird. Wenn man durchhält, so gibt es ein paar Passagen, die vielleicht Brauchbares liefern – aber leider vorallem Andeutungen beinhalten, also einer Interpretation bedürfen. Wie gross also mein Erstaunen, als ich auf der allerletzten Seite, im Anhang, ein Diagramm vorfand, welches angeblich das Innere des Rades zeigt. Lange habe ich dagesessen, wie vom Donner gerührt, und konnte meinen eigenen Augen nicht trauen. Dieses Diagramm des inneren Rades entsprach so gar nicht meinen Vorstellungen und passte scheinbar auch nicht zu den Aussagen der Augenzeugen. Ausserdem wurde es überhaupt nicht erklärt und stellte offensichtlich nicht alles dar, denn es ist symmetrisch und enthält keine beweglichen Teile, würde also in dieser Form keinen Antrieb liefern. 
Nun entschied ich mich, das Apologia Rad so zu interpretieren, dass die 3 weissen Flächen als leere Kammern aufzufassen sind, in die hinein jeweils eine kleine Kugel kommt (eigentlich lieber ein Zylinder, aber dafür müsste man eine Führung anbringen, damit sich der Zylinder nicht drehen und verklemmen kann, und ich wollte erst mal einfach mit Kugeln beginnen).

Ich habe eine Gratis-Simulationssoftware gefunden (Physion), mit der ich die Bewegungen in diesem Rad modellieren konnte. (Damals konnte man die Software downloaden, heute geht das nicht mehr, man kann aber online über die Webseite damit arbeiten.) 
Ich ging immer noch davon aus, dass Rampen und/oder Hebel nötig sein würden. In der Software habe ich nach und nach die Komponenten erstellt und montiert, und jeweils «Start» gedrückt, um sicherzugehen, dass ich nichts Widersprüchliches angegeben habe und keine unerwünschten Kollisionen stattfinden. Als ich den Radhintergrund mit den 3 Kammern fertig hatte, an der Achse befestigt hatte und 3 Kugeln eingefügt hatte, habe ich also «Start» gedrückt – und zu meinem masslosen Erstaunen hat sich das Rad gedreht, ohne aufzuhören (allerdings musste der Prozessor meines Laptops immer schwerer arbeiten, was man am lauter werdenden Ventilator merkte, schliesslich hat sich dann alles aufgehängt und musste neu gestartet werden). Diesen Zustand konnte ich beliebig immer wieder herstellen, obwohl die Kugeln sich teilweise chaotisch benahmen – es war also ein reproduzierbarer Versuch! Ich hatte die Vermutung, dass geeignete, aufeinander abgestimmte Parameter zu einer Selbstorganisation führen könnten, es also eine Art Attraktor geben könnte. Diese Überlegungen habe ich an einem Kongress des Jupiterverlags 2014 in Stuttgart präsentiert.

Leider liess sich diese Simulation mit anderer Simulationssoftware und den genau gleichen Konfigurationen nicht verifizieren (Versuche mit Algodoo und Working-Model-2). Der Fairness halber ist zu bemerken, dass alle diese Simulationen in der Anleitung ausdrücklich darauf hinweisen, dass bewegliche Massen innerhalb von Hohlräumen nicht akkurat simuliert werden können. Trotz dieser Unwägbarkeiten hat mir ein guter Bekannter mit viel Hingabe ein grosses Holzmodell (Durchmesser 130 cm) gebaut und mehrere Sätze von Kugeln in verschiedenen Grössen dazu geliefert. 
Kurz gesagt: keine Variante erzeugte einen Selbstläufer. Das Rad lief, einmal angestossen (wie das Merseburger Rad, also in beiden Richtungen) jedoch nur eine kurze Zeit lang. Kleine, leichte Kugeln lieferten bessere Resultate als grosse schwere. Am längsten lief das Rad allerdings ganz ohne Kugeln…

Besslers Hinweis in Apologia II, Anhang

Besslers Hinweis in Apologia II, Anhang

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Video vom Jupiter Kongress 2014

Nichtläufer. Grosses 3er Rad.

Nichtläufer. Grosses, schweres 3er Rad.

Trotzdem halte ich immer noch an der Idee fest, dass dieses Rad mit der 3-fach Symmetrie ein potentieller Selbstläufer ist, und ich werde im Folgenden darlegen warum.